09/08/07 Rucksackzeit

ist doch gar nicht so schlecht, wie ich erst dachte. Immerhin heisst es, dass wir weiterkommen. Zu lange an einem Ort bleiben ist anstrengend, den Wind der Unabhaengigkeit um die Nase spueren - das ist super!

Nach einem Kurzurlaub nach Hause (Mann, was hab ich mich gefreut), musste sie mal wieder arbeiten. Schon wieder am Wasser, aber diesmal mit besserer Anbindung zum Festland. Naemlich zum Festland selber. Wir befanden uns fuer so 1 1/2 Wochen auf einer sogenannten "Halbinsel". Was heisst das? Dass es nur eine halbe Insel ist? Hab keine Lust mir darueber den Kopf zu zerbrechen, alles was wichtig ist, ist dass es endlich weitergeht.

Hab sie neulich mal gefragt, wie lange sie denkt, dass ich das noch mitmache, aber sie hat versucht mich zu beruhigen. "Nicht mehr lange", hat sie gesagt. TOll! Das hilft mir echt weiter. Vielleicht sollte ich einfach meine Augen zu machen und abwarten, Tag fuer Tag und Nacht fuer Nacht, genau wie sie. Sie ist fertig. Ich weiss zwar nicht womit, aber es muss was gutes sein, denn ich merke ihr an, dass sie nur noch darauf wartet, endlich wieder nach Hause fliegen zu koennen. Klasse, Mission erfuellt, oder was? Und warum koennen wir dann nicht schon jetzt nach Hause? Passiert etwa noch was?

Menschen sind komisch... 

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06/07/07 Jubilaeum

der ganz anderen Art.

Einen Monat haengen wir hier jetzt schon rum, ich im Bett oder die meiste Zeit im Rucksack, zusammen mit Ergee und Manni, der erst hier zu uns gestossen ist. Zum Glueck, kann man sagen, dann bin ich nicht mehr mit diesem kindischen Affen und der Psychopatin, die nichts auf die Reihe kriegt, allein. Er redet nicht viel und so ganz hab ich auch noch nicht raus, was das mit seinem Schnurbart auf sich hat, aber so an sich ist er ein netter Kerl.

Sie redet auch nicht mit mir, oder nur noch selten. Gestern Abend kam sie an, hat mich aus dem Rucksack genommen, weil sie was gesucht hat und hat mich natuerlich prompt fallen lassen. Nicht mit Absicht, bin ihr aus der Hand gerutscht. Immerhin hat sie mich dann bemerkt, mich angeschaut und gesagt :" Was mach ich eigentlich hier?" Jaha, das frag ich mich auch. Krieg den Arsch hoch, Maedchen! DU wolltest unbedingt hier her kommen, nicht ich, also hoer auf zu jammern und sieh zu, dass du weiter kommst!

Klar, ich bin nur ne olle blaue Fledermaus, was weiss ich schon von der Welt und was da vor sich geht. Aber ich weiss, was in ihr vorgeht, selbst aus den Tiefen des Rucksacks kann ich ihre Gedanken hoeren. 

Es ist wirklich viel zu lange her, dass sie die Sterne gesehen, den Regen auf dem Dach gehoert und im Dreck gewuehlt hat. Zufrieden mit sich und der Welt ist was anderes. Ich wuerde ihren derzeitigen Zustand eher als "akzeptierend" bezeichnen, weil sie auf der anderen Seite vielen Dingen, die sie gerne aendern moechte, im Moment nur zuschauen kann. Ich hoffe wirklich, das aendert sich, wenn die Reise endlich losgeht...

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01/07/07 Es ist passiert

sie fuehlt sich zum ersten Mal, seit sie auf dieser Insel ist, einsam. Am liebsten moechte sie ihre Sachen packen und nach Hause fliegen.

Ihr fehlt ihr Hamburg, die Menschen, die Strassen, der Sommer.

Und sie arbeitet jeden Tag in dieser Stadt, die anfaengt ihr zu eng zu werden und insgeheim kann sie es gar nicht erwarten, hier raus zu kommen. Am liebsten sofort. Man kann sagen, ihre Geduld mit sich selbst wird ganz schoen auf die Probe gestellt.

Dies ist nicht das, was sie sich vorgestellt hat, hat sie gesagt, und mich dabei ganz fest in den Arm genommen (wurde aber auch mal wieder Zeit). Leider konnte ich sie nicht so richtig zurueck in den Arm nehmen, bzw. in die Fluegel - zu kurz. Und dabei haette sie eine richtige Umarmung mal wieder bitter noetig. Und ne Mutspritze. Ich kann sie ja mal beissen...

 

 

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26/06/07 Die Iren

sind das wahrscheinlich einzige Volk auf Gottes (oder wessen auch immer) noch gruener Erde, das immer wieder fuer ein Ueberraschung gut ist. Ist es denn moeglich, dass die Menschen, die aus diesem Land kommen, wirklich zwei so unterschiedliche Seiten in sich vereinen? Wenn sie es mir nicht erzaehlt haette, wuerde ich selbst nicht glauben, dass man ausgerechnet sie fuer typisch deutsch haelt, so entspannt und teilweise faul sind die Leute hier. Auf der anderen Seite dauert es weniger als einen Wimpernschlag und man hat ein rasendes Tier vor sich. Pruegeleien sind an der Tagesordnung und man kann sich sicher sein, man geraet frueher oder spaeter in eine.Und das aus folgendem Grund:

Die liebsten Hobbies der Iren sind wahrscheinlich die Arbeit auf morgen verschieben, stattdessen lieber 3-8 Pints trinken, mit jemand foellig fremden einen Streit anfangen, um am Ende mit mindestens einem blauen Auge nach Hause getragen zu werden. Und das dann am besten noch von dem, dem man das blaue Auge zu verdanken hat, weil man sich nach dem Kampf noch mit ihm auf ein weiteres Bier hingesetzt und herausgefunden hat, dass der andere doch ziemlich cool ist.

Die Theorie ist so passend, die sollte im Lexikon stehen...

1 Kommentar 26.6.07 19:04, kommentieren

13/06/07 Clare Island

war ein totaler Schlag ins Wasser! Sprichwoertlich. Ich habs ja gleich gesagt, aber auf mich hoert ja wieder keiner! Naja, soll sie ihre Erfahrungen selber machen, dafuer ist sie ja auch schliesslich hier.

Ich hab mir diese Insel vor der Insel mal angeschaut, in der einzigen Nacht, die wir dort verbracht haben und ich muss es echt sagen, ziemlich nett dort. Keine Baeume zwar und somit nichts fuer mich zum Abhaengen, aber viele Schafe und rundherum Wasser. So zum mal hinfahren bestimmt ganz schoen fuer euch Menschen. Das muss sie sich auch gedacht haben, mal schoen so zum  Hinfahren, aber nicht zum Dableiben. Sie hat sich nicht mit den Leuten verstanden, die sie bei sich haetten wohnen lassen. Naja, jeder hat mal Pech. Deshalb sind wir dann auch schon nach nur 23 Stunden wieder abgereist.

Und jetzt hat sie sowas wie Urlaub, haengt rum und erlebt das wirklich irische Leben unter lauter irren Iren, lebt von einem Tag auf den andern und macht sich nicht weiter Sorgen als bis vielleicht zur naechsten Woche.

Klingt ja alles gut und schoen und irgendwie nach der tollsten Art, den Sommer, sofern man hier von Sommer reden kann, zu geniessen. Und trotzdem weiss ich ganz sicher, dass irgendwas nicht richtig ist. Sie sehnt sich nach dem naechsten Schritt, sich selbst naeher zu kommen, mal wieder so richtig allein zu sein und gleichzeitig fuerchtet sie sich davor. Das Leben in der Stadt ist einfach zu verlockend einfach, um sich wieder aufs Land zurueckzuziehen, in der Arbeit zu vergraben, was ihr sicher gut taete, und nicht so viel zu erleben, damit ihr Kopf mal wieder durchgepustet wird. Die Reizueberflutung und der Drang nach mehr, ist fast wie die Sucht nach einer Droge, die einen vergessen macht, was man eigentlich tun wollte, aber im Moment keine Lust dazu hat. Wobei man nicht sagen kann, dass sie keine Lust haette, es fehlt ihr nur die Motivation, die sie widerum in der Stadt, umgeben von so vielen Menschen zu finden versucht. Mann, Mann, Mann!

Es wird Zeit, dass sie mal Entscheidungen faellt, sonst bin ich bald reif fuer Urlaub. Menschen sind komisch...

1 Kommentar 13.6.07 13:41, kommentieren

05/06/07 Galway

ist aehnlich wie Luxemburg, wo ich auch schon mal war, nur etwas huebscher und moderner. 3 Stunden Busfahrt von Cork entfernt, ganz in der Naehe vom Meer. Also fuer mich ist das Wasser ja nicht wirklich was, aber fuer die, mit der ich hier bin, auf jeden Fall. Trotzdem, wer braucht schon Wasser, das man noch nichtmal trinken kann.

Wie dem auch sei, wir sind jetzt hier, bis morgen hat sie beschlossen, bei Motja. Nettes Maedel, hab sie gestern kurz kennengelernt. Eigentlich sollten wir schon auf dem Weg auf eine Insel sein, aber ihr gefaellt es hier so gut, dass wir  noch einen Tag bleiben werden. Noch ne Insel? Ich dachte, wir sind schon auf einer. Ist das denn dann noch dieses Irland? Vielleicht hat sich jemand mal gedacht, er will nicht mehr auf der einen Insel leben, aber auch nicht ganz weit weg ziehen und hat sich deshalb ein Stueck von der grossen abgeschnitten und dann fuer sich allein beansprucht. Naja, was auch immer...

Es gefaellt ihr hier. Die Menschen sind komisch. Im Allgemeinen, aber hier nochmal besonders. Die Zeit muss stehen geblieben sein, man bewegt sich langsamer, hat selten Eile irgendwo hin zu kommen und falls doch mal was brennt, steht einem jederzeit Hilfe zur Seite. Sie fuehlt sich sehr wohl in dieser entspannten Atmosphaere auf dieser ueberaus gruenen Insel. Sie hat das Gefuehl, dass alles moeglich ist. Zweifel sind zwar nicht immer schlecht, aber die werden einem hier einfach sehr schnell genommen, weil es irgendwie immer einen Weg gibt. Sie fuehlt sich in gewisser Weise frei und hat auf einmal den Mut, neue Dinge zu wagen.

Na hoffentlich kommt sie nicht auf die Idee, fliegen zu wollen.

1 Kommentar 5.6.07 13:13, kommentieren

01/06/07 Ja, ich weiss...

hab lang nix von mir hoeren lassen, aber wenn man so beschaeftigt ist, wie ich, dann ist das schon verzeihbar, nicht wahr?

Was ich so mache? Ich.... aehm... ich... also eigentlich bin ich fast die ganze Zeit ueber im Caravan, in dem die schlafen darf, die mich hierher geschleppt hat. Tagsueber ist aber sowieso nicht meine Zeit, ich bin da eher nachts unterwegs. und zwar in ihrem Kopf. Sie laesst mich ihre Traeume sehen und deshalb weiss ich, wies ihr geht. Wahrscheinlich ist das sowieso interessanter zu lesen als meine spaerlichen Aktivitaeten zu verfolgen, wobei das Traumeschaun und Gedankenlesen auch nicht ohne ist. Eben so anstrengend, dass ich tagsueber selbst schlafen muss, um nicht irgendwann wahnsinnig zu werden. Die hat vielleicht ne Menge im Kopf rumgehn!

Menschen sind komisch... 

2 Kommentare 1.6.07 15:29, kommentieren